Lesereihe »Gegen das Vergessen«

30. August – 28. September 2020

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich lade Sie ein zu einer Lesereihe unter dem Titel »Gegen das Vergessen« mit Pro­ minenten aus Film, Fernsehen und den Medien zum Thema »Antisemitismus gestern und heute«. Judenhass und Judenfeindschaft sind leider in unserer Gesellschaft all­ gegenwärtig. Anschläge, Morde, Beleidigungen und Diffamierungen aus antisemiti­ scher Motivation sind keine Seltenheit, was sich auch an über 2000 Delikten im Jahr 2019 zeigt. Antisemitismus geht uns alle an, denn er verletzt unsere Menschenwürde und grenzt Menschen wegen ihrer Religion aus. Bekannte Künstler wollen mit diesen Lesungen aufklären, motivieren, sich zu engagieren und mit Ihnen diskutieren. Seien Sie neugierig und besuchen Sie eine der Veranstaltungen dieser spannenden und wichtigen Lesereihe.

Herzlichst, Ihre Sabine Leutheusser-Schnarrenberger [Antisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen]


Dem Thema »Antisemitismus gestern und heute« ist eine Lesereise mit Prominenten aus Film, Fernsehen, Theater und Medien gewidmet, die von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der Antisemitismusbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen, ins Leben gerufen wurde.
Ihr Ziel ist es, möglichst viele Menschen über den noch immer in der Gesellschaft verbreiteten Judenhass aufzuklären und sie dadurch zum Nachdenken zu bringen. Antisemitismus ist eine Herausforderung für uns alle – er verletzt unsere Menschenwürde.

Christian Berkel »Mein Apfelbaum«
Im Anschluss: Bühnengespräch mit Sabine Leutheusser­Schnarrenberger

Alte Synagoge Essen
Edmund-Körner-Platz 1 · 45127 Essen

Sonntag, 30. August 2020 11.30 Uhr: Matinee
15.30 Uhr: Zusatzveranstaltung


Für den Roman seiner Familie hat der Schauspieler Christian Berkel seinen Wurzeln nachgespürt. Er hat Archive besucht, Briefwechsel gelesen und Reisen unternommen. Entstanden ist ein großer Familienroman vor dem Hintergrund eines ganzen Jahrhunderts deutscher Geschichte, die Erzählung einer ungewöhnlichen Liebe.

Berlin 1932: Sala und Otto sind dreizehn und siebzehn Jahre alt, als sie sich ineinander verlieben. Er stammt aus der Arbeiterklasse, sie aus einer intellektuellen jüdischen Familie. 1938 muss Sala ihre deutsche Heimat verlassen, kommt bei ihrer jüdischen Tante in Paris unter, bis die Deutschen in Frankreich einmarschieren. Während Otto als Sanitätsarzt mit der Wehrmacht in den Krieg zieht, wird Sala bei einem Fluchtversuch verraten und in einem Lager in den Pyrenäen interniert. Dort stirbt man schnell an Hunger oder Seuchen, wer bis 1943 überlebt, wird nach Auschwitz deportiert. Sala hat Glück, sie wird in einen Zug nach Leipzig gesetzt und taucht unter.

Kurz vor Kriegsende gerät Otto in russische Gefangenschaft, aus der er 1950 in das zerstörte Berlin zurück­ kehrt. Auch für Sala beginnt mit dem Frieden eine Odyssee, die sie bis nach Buenos Aires führt. Dort ver­ sucht sie, sich ein neues Leben aufzubauen, scheitert und kehrt zurück. Zehn Jahre lang haben sie einander nicht gesehen. Aber als Sala Ottos Namen im Telefonbuch sieht, weiß sie, dass sie ihn nie vergessen hat.

Mit großer Eleganz erzählt Christian Berkel den spannungsreichen Roman seiner Familie. Er führt über drei Generationen von Ascona, Berlin, Paris, Gurs und Moskau bis nach Buenos Aires. Am Ende steht die Geschichte zweier Liebender, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch ihr Leben lang nicht voneinander lassen.


Andrea Sawatzki liest »Der Reisende« (von U. A. Boschwitz)
Im Anschluss: Bühnengespräch
mit Sabine Leutheusser­Schnarrenberger

Sauerland-Theater
Feauxweg 9 · 59821 Arnsberg
Samstag, 05. September 2020 · 19.30 Uhr


Mondpalst von Wanne-Eickel
Wilhelmstraße 26 · 44649 Herne
Sonntag, 06. September 2020 Matinee: 11.30 Uhr


Der jüdische Kaufmann Otto Silbermann, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, wird in Folge der Novemberpogrome aus seiner Wohnung vertrieben und um sein Geschäft gebracht. Mit einer Aktentasche voll Geld, das er vor den Häschern des Naziregimes retten konnte, reist er ziellos umher. Er glaubt, ins Ausland fliehen zu können, sein Versuch, illegal die Grenze zu überqueren, scheitert jedoch. Also nimmt er Zuflucht in der Reichsbahn, verbringt seine Tage in Zügen, auf Bahnsteigen, in Bahnhofsrestaurants. Er trifft auf Flücht­ linge und Nazis, auf gute wie auf schlechte Menschen. Noch nie hat man die Atmosphäre im Deutschland dieser Zeit auf so unmittelbare Weise nachempfinden können. Denn in den Gesprächen, die Silbermann führt und mithört, spiegelt sich eindrücklich die schreckenerregende Lebenswirklichkeit jener Tage.


Benno Fürmann liest »Fritz Bauer – oder
Auschwitz vor Gericht«
(von Dr. Ronen Steinke)
Im Anschluss: Bühnengespräch mit
Sabine Leutheusser­Schnarrenberger und Dr. Ronen Steinke

Musiktheater im Revier
Kennedyplatz · 45881 Gelsenkirchen
Montag, 28. September 2020 · 19.30 Uhr


Fritz Bauer zwang die Deutschen zum Hinsehen: Inmitten einer Justiz, die in der jungen BRD noch immer von braunen Seilschaften geprägt war, setzte er den großen Frankfurter Auschwitz­Prozess durch. Er koope­ rierte mit dem israelischen Geheimdienst, um Adolf Eichmann vor Gericht zu bringen. Dr. Ronen Steinke er­ zählt das Leben eines großen Juristen und Humanisten, dessen persönliche Geschichte zum Politikum wurde. 1963 wird gegen 22 ehemalige NS­Schergen Anklage erhoben; in Frankfurt beginnt ein Mammutprozess. Ein Mann hat diesen Prozess fast im Alleingang auf den Weg gebracht: Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Hessen. Ein Sozialdemokrat jüdischer Herkunft, der 1936 gerade noch hatte fliehen können. Er ist es, der die deutsche Nachkriegsgesellschaft zum Sprechen bringt – und Adolf Eichmann vor ein israelisches Gericht.


Fotonachweis: Christian Berkel © Gerald von Foris ∙ Andrea Sawatzki © Bruno Berkel ∙ Benno Fürmann © Pascal Bünning ∙ Sabine Leutheusser­Schnarrenberger © Tobias Koch ∙ ‚Judenstern‘ © Daniel Ulrich, Threedots (Wikipedia)